Nikotinsucht
Nikotinsucht (Tabakabhängigkeit) ist eine chronische Substanzabhängigkeit, die durch zwanghaften Tabakkonsum trotz bekannter gesundheitlicher Folgen, körperliche Abhängigkeit mit Toleranz und Entzug sowie psychische Konditionierung gekennzeichnet ist. In Deutschland rauchen rund 11,6 Millionen Erwachsene. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf rund 97 Milliarden Euro.
Wie Nikotinsucht entsteht
Nikotin erreicht das Gehirn in 7–8 Sekunden, bindet an Acetylcholinrezeptoren und löst eine Dopaminflut im Belohnungszentrum aus. Bei regelmäßigem Konsum bildet das Gehirn zusätzliche Rezeptoren (Upregulation), die nach Nikotin verlangen. Es entstehen drei Abhängigkeitsebenen: körperlich, psychisch und verhaltensbedingt. Mehr dazu unter Sucht vs. Gewohnheit vs. Abhängigkeit.
Gesundheitliche Folgen
131.000–143.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland, doppeltes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, 90 % aller COPD-Fälle, 88.000 neue Krebsfälle jährlich. Es gibt keine sichere Schwelle – bereits eine Zigarette pro Tag erhöht das Herzrisiko erheblich. Details unter Wann wird Rauchen gefährlich?.
Behandlung nach S3-Leitlinie
Motivierende Kurzberatung, Telefonberatung (BZgA: 0800 8 31 31 31), kognitive Verhaltenstherapie, Nikotinersatztherapie, Vareniclin oder Bupropion, und digitale Interventionen wie Apps. Die Kombination Verhaltenstherapie + Medikament ist der Goldstandard bei schwerer Abhängigkeit. Strategien: Strategien zum Aufhören.
Prognose und Hoffnung
Ohne Hilfe gelingt nur 3–5 % der dauerhafte Ausstieg. Mit professioneller Unterstützung sind es 30–40 %. Die Erholung beginnt sofort: nach 20 Minuten sinkt der Blutdruck, nach einem Jahr halbiert sich das Herzinfarktrisiko. Es ist nie zu spät. Mehr: Körper-Erholung nach Rauchstopp.
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